von Carmen Scholz

Vor dreieinhalb Jahren bin ich mit Marc, meinem Mann, nach Rickelrath gezogen. Nach 20 Jahren Stadtleben war das schon eine Umstellung. In der Stadt kennt man seine Nachbarn meist kaum und wenn dann nur einige wenige. Hier auf dem Dorf ist das anders. Man kennt sich und pflegt die Gemeinschaft. Es ist schön für mich, auch als „Dazugezogene“ an den Traditionen meiner neuen Nachbarn teilhaben zu können. Der Seniorenkaffe ist so eine Tradition. Jedes Jahr im Advent findet er im Anton-Heinen-Haus statt. Die Frauengemeinschaft richtet ihn aus. Dem Verein bin ich beigetreten und helfe selbstverständlich mit.

Seit wie viel Jahren so gefeiert wird, weiß ich gar nicht, es ist schließlich erst mein dritter Advent hier im Dorf. Aber ich habe den Eindruck, dass auch die gebürtigen Rickelrather nicht mehr sagen können, wann es das erste Kaffeetrinken für Senioren im Advent gab, denn gefühlt war das schon immer so.

Die Bestandteile der Kaffeetafel waren für mich zunächst etwas ungewöhnlich. Denn neben dem Kaffee wird nicht nur der deutschlandweit bekannte Christstollen gereicht, sondern auch Weckmännchen und Schwarzbrot, die eher typisch rheinländisch sind. Was aber besonders regional ist, ist dass sie mit Butter, Rübenkraut und Käse gegessen werden. Diese Zutaten werden fröhlich kombiniert. Da werden Weckmännchen mit Käse und Schwarzbrot belegt und Stollenscheiben mit Butter und Rübenkraut bestrichen. Meine Freunde in Frankfurt und Hannover würden sich darüber sehr wundern. Auch würden sie sich den anschließend gereichten Schnaps wohl damit erklären, dass diese Genuss-Kombinationen vielleicht schwer im Magen liegen. Die Erklärung, die ich in Rickelrath dazu erhalten habe war: „das machen wir hier so.“ Klare Sache. Ist mir sympathisch.

Was ich auch mag, ist wie persönlich die Feier gestaltet wird: es ist eine Kombination aus traditionell-besinnlich und liebevoll-lustig. Schon im September beginnen die Mitglieder der Frauengemeinschaft die Feier zu planen. Dazu gehört neben dem Einkauf der Speisen und Getränke die jährlich neu gestaltete Tischdekoration, für eine schöne adventliche Atmosphäre. Für jeden Gast wird ein kleines Geschenk mit viel Liebe selbst gebastelt. Dieses Jahr war es eine Flasche selbst gekochter Punsch-Sirup, als Engel dekoriert.  

In der Stadt bin ich nie auf den Gedanken gekommen für so viele Nachbarn (diese Jahr kamen ca. 70) etwas zu basteln. Da habe ich eher mit Maria von nebenan ein Stück Kuchen gegessen. Das war auch schön,  aber nicht besonders weihnachtlich.

Zur Feier in Rickelrath dagegen gehören mehrere adventliche Beiträge, dieses Jahr wurden zum Beispiel mit allen klassische Weihnachtslieder gesungen. 

Brigitte las zwei schöne moderne Advents-Geschichten vor.

Regina und Brigitte spielten zwei stimmungsvolle Stücke auf ihren Sopran- und Alt-Flöten.

Margot und Christine ließen einige Dorfereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren. Als ehrwürdiger Engel und etwas aufmüpfiger Engel-Lehrling zeigen sie, dass Traditionen hier lebendig weiterentwickelt werden. Wo früher der Nikolaus kam, sorgten sie mit ihrem Beitrag für viele Lacher.

Zu guter Letzt erhielten jeweils die und der Älteste in der Runde ein Ehrengeschenk. Auch das ist ein schöner Brauch.

Als Marc mich abends fragte wie die Feier war, hab ich ihm gesagt: „Sehr schön! Sie war nicht nur liebevoll gestaltet sondern auch besinnlich und lustig. Ich bin froh jetzt in Rickelrath zu wohnen. Hier kennt man seine Nachbarn und hat Freude daran, ihnen eine Freude zu machen.“ 

In diesem Sinne wünsche ich allen einen frohen Advent! Herzliche Grüße

Carmen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.